Memet Kılıç

Mitglied des Deutschen Bundestages

„Nehmen Sie sich die nötige Zeit, wenn Sie ein Thema interessiert – verschieben Sie einfach Ihre Prioritäten!“ (frei nach Michael A. Denck)

Gegen Ghettos in den Sammelunterkünften

Sinsheim. (zg) Schon der Ort, der Galerie-Treff des Arbeitskreises Migration, war mit Bedacht gewählt. Denn dort ist immer eine Begegnung von Einheimischen mit Flüchtlingen möglich. Selten wurde die Stimme letzterer so deutlich, wie bei der Veranstaltung "Gestern eingewandert – morgen Mitbürger" mit dem Bundestagsabgeordneten Memet Kilic von den Grünen.

Zu Beginn meldeten sich junge Menschen zu Wort. Ihre Eltern seien vor vielen Jahren hierher geflohen. Ihrer Schilderung konnte man entnehmen, dass sie bereits jetzt – in der Ausbildung oder vor dem Studium – bestens integriert sind, genauso, wie sich das die Politiker vorstellen. Unter die Haut gingen Berichte von Menschen, die in der Sammelunterkunft wohnen. Verfolgung in ihrer Heimat zum Beispiel in China, Irak und Iran, habe sie hierher geführt. Sie könnten wegen Verfolgung oder Krieg nicht mehr zurück oder seien quasi ausgebürgert. Sie erläuterten aber vermeintliche Missstände, die ihnen hier täglich widerführen. Sie hätten keine Bewegungsfreiheit für Besuche außerhalb des Landkreises und über viele Jahre keinerlei Arbeitserlaubnis, obwohl sie lieber ihren Lebensunterhalt verdienen würden. Doch vor allem die vorgegebene Nahrungsmittelversorgung zerstöre ihr Selbstwertgefühl.

Memet Kilic berichtete wie er zuerst als Student hierher kam, in Heidelberg lebte, sich aber lange nicht für einen deutschen Pass entscheiden konnte. Seine politische Karriere war weit fortgeschritten, als er eingebürgert wurde. Er verstehe sich als Interessensvertreter aller Deutschen, aber auch der Flüchtlinge. Denn die Grünen hielten nichts von "Kettenduldungen über viele Jahre", begrüßten eine frühere Arbeitsaufnahme und eine bessere Unterbringung der Flüchtlinge. Die Kandidatin für die Landtagswahl, Charlotte Schneidewind-Hartnagel erläuterte ganz konkret die grünen Forderungen, insbesondere die Kritik an der Vergrößerung der Sammelunterkünfte wie der in Sinsheim. Dort sollen in naher Zukunft 110 weitere Plätze für Asylbewerber geschaffen werden.

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung vom 08.02.2011

 

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